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7. Mai 2026

Hofnachfolge in Deutschland: Wir diskutieren oft am eigentlichen Problem vorbei

Seit vielen Jahren begleiten wir außerfamiliäre Hofnachfolgen in der Landwirtschaft. In Gesprächen mit Betriebsleiterinnen und Betriebsleitern, mit Familien, Hofübernehmerinnen und Hofübernehmern, Quereinsteigern und jungen Landwirten begegnet uns dabei immer wieder dieselbe Situation: Ein Betrieb sucht dringend eine Zukunft. Gleichzeitig gibt es Menschen, die Landwirtschaft machen wollen. Menschen mit Motivation, Fachwissen, Ideen und dem Wunsch, Verantwortung zu übernehmen. Und trotzdem kommt beides viel zu selten zusammen. Diese Erfahrung wirft eine einfache, aber zentrale Frage auf:


Warum gelingt Hofnachfolge in Deutschland so oft nicht?

Die öffentliche Debatte konzentriert sich häufig auf Förderprogramme, Finanzierungsmöglichkeiten oder Bodenpreise. All das sind wichtige Themen. Ohne Frage.

Aber in der praktischen Begleitung von Hofübergaben zeigt sich immer wieder:

Die entscheidenden Herausforderungen liegen oft ganz woanders.

Denn Hofnachfolge ist eben nicht nur eine betriebswirtschaftliche oder juristische Frage. Sie ist vor allem ein menschlicher Prozess.

Ein Hof ist mehr als ein Betrieb

Wer einen Hof übergibt, übergibt selten nur Flächen, Gebäude oder Maschinen.

Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist häufig:

  • Lebenswerk
  • Familiengeschichte
  • Identität
  • Verantwortung
  • Heimat
  • Zukunftsvorstellung

Und genau deshalb sind Hofübergaben oft emotional hochkomplex.

Es geht um Vertrauen.
Um Loslassen.
Um Erwartungen.
Um Unsicherheiten.
Um unterschiedliche Vorstellungen von Landwirtschaft und Zukunft.

Diese Faktoren werden in vielen Diskussionen über Generationswechsel noch immer unterschätzt.

Viele Betriebe suchen Nachfolge – viele Menschen suchen Zugang zur Landwirtschaft

In Deutschland stehen zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe vor der Frage, wie es weitergehen soll.

Gleichzeitig gibt es:

  • junge Landwirtinnen und Landwirte ohne eigenen Hof
  • Quereinsteiger mit ernsthaftem Interesse
  • Menschen mit landwirtschaftlicher Ausbildung
  • Familien, die bewusst in die Landwirtschaft möchten

Das eigentliche Problem ist deshalb häufig nicht fehlendes Interesse.

Das Problem ist, dass beide Seiten viel zu selten strukturiert zusammenfinden.

Hofnachfolge braucht Zeit, Prozesse und Begleitung

Eine funktionierende außerfamiliäre Hofnachfolge entsteht in den seltensten Fällen durch ein einzelnes Gespräch oder eine schnelle Entscheidung.

Sie braucht:

  • Zeit
  • gegenseitiges Kennenlernen
  • klare Kommunikation
  • realistische Erwartungen
  • Entwicklung von Vertrauen
  • professionelle Begleitung

Viele Übergaben scheitern nicht an mangelndem guten Willen, sondern daran, dass genau diese Prozesse fehlen oder zu spät beginnen.

Außerfamiliäre Hofnachfolge wird an Bedeutung gewinnen

Der strukturelle Wandel in der Landwirtschaft wird die Bedeutung außerfamiliärer Hofnachfolgen in den kommenden Jahren weiter erhöhen.

Immer mehr Betriebe haben keine innerfamiliäre Nachfolge. Gleichzeitig wächst das Interesse vieler Menschen an Landwirtschaft, regionaler Versorgung, nachhaltiger Produktion und sinnstiftender Arbeit.

Umso wichtiger wird die Frage:

Wie schaffen wir funktionierende Strukturen, damit Betriebe und Menschen tatsächlich zusammenfinden?

Dafür braucht es mehr als Förderprogramme allein.

Es braucht:

  • langfristige Prozesse
  • regionale Netzwerke
  • Vertrauen
  • Wissenstransfer
  • professionelle Begleitung
  • und eine ehrlichere Debatte über die Realität von Hofübergaben

Wir müssen Hofnachfolge neu denken

Außerfamiliäre Hofnachfolge ist kein Randthema mehr.

Sie wird zu einem entscheidenden Baustein für die Zukunft vieler landwirtschaftlicher Betriebe und ländlicher Räume werden.

Und genau deshalb sollten wir beginnen, Hofnachfolge nicht nur als Problem zu diskutieren – sondern als Gestaltungsaufgabe ernst zu nehmen.

In den kommenden Wochen möchten wir deshalb weitere Einblicke aus der Praxis teilen:

  • warum Hofübergaben scheitern
  • was häufig unterschätzt wird
  • und welche Ansätze tatsächlich funktionieren können.